Wasser ist Leben
Es ist Element und Lebensmittel zugleich. Es kann klitzeklein und doch mächtig sein. Es ist Leben in seiner ursprünglichsten Form. Die Rede ist von Wasser! Wir sollten uns seiner Wichtigkeit öfter bewusst werden. Was man unter dem Trend „Coolcation“ versteht und warum man in der Region Schladming-Dachstein mit dem Themenweg „Wilde Wasser“ schon vor 20 Jahren ein Augenmerk darauf gelegt hat.
Rauschendes Wasser. Sanfter Sprühnebel auf der Haut. Abertausend winzige Perlen glänzen in den Farben des Regenbogens vor sich hin und schwirren durch die Luft wie kleine Leuchtwürmchen – nur eben bei Tageslicht und viel, viel klitzekleiner.
Wenn sich der Riesachwasserfall bis zur unteren Gfölleralm in die Tiefe stürzt, werden unzählige Hektoliter Wasser in feinste Teilchen zerstäubt. Die geballte Kraft des Wassers geht unter die Haut. Das Wandern am wilden Wasser in einer paradiesisch grünen Umgebung erinnert an die Ankunft in einer Oase: Auf kargem Stein wächst Moos, das Wasser benetzt sämtliche Winkel der Schlucht und lässt Leben überall rund um den Wasserfall erblühen. Und genau diese Oase suchen immer mehr Menschen während der warmen Jahreszeit auf.
„Coolcation“ bezeichnet den Trend, den Sommerurlaub bewusst in kühleren Regionen zu verbringen, um extremer Hitze und überfüllten Stränden zu entkommen. So könnte man fast glauben, die Menschen aus der Region rund um den Dachstein haben diesen Trend ins Leben gerufen. „Unsere Region bietet tatsächlich genau das, was Hitzegeplagte suchen: frische Bergluft, kristallklare Seen und grüne Wiesen. Viele Gäste suchen im Sommer zunehmend hohe Regionen und wasserreiche Gegenden oder Wege am Wasser auf, um sich zu erholen. Das spüren wir deutlich, seit einigen Jahren ist die Sommersaison wieder sehr stark.
Alle Wege am Wasser haben ihren Reiz, aber die Talbachklamm, die von Schladming ins Untertal führt, ist die bekannteste und beliebteste Coolcation, um beim Schlagwort zu bleiben. Man geht am Hauptplatz weg und ist in einigen Minuten in einer wunderbaren Landschaft. Die Klamm ist ganzjährig gut besucht, aber im Sommer ist sie ein Highlight für Gäste und Einheimische“, erklärt Hermann Trinker.
Laut dem Schladminger Bürgermeister ist hierbei verantwortungsvolles Verhalten in der Natur gefragt. Die Bachlandschaften und Bergseen sind empfindliche Lebensräume: „Respekt und Achtsamkeit sind die beste Versicherung dafür, dass auch künftige Generationen die glasklaren Wasserwege der Tauern genießen können.“ Wo wir bei einem anderen wichtigen Thema sind: Wasser wird aufgrund des Klimawandels immer knapper! Trinker: „Wasser ist ein Lebensmittel, wichtig für die Natur, für das Wachstum. Es prägt unsere Landschaft. Viele Gäste kommen wegen unserer wunderbaren grünen Landschaft zu uns. Ja, noch sind wir im gelobten Land, wir haben genug Wasser. Dennoch sollten wir mit Wasser und der Natur sorgsam umgehen.
Ruhig glitzernd & tosend schäumend
So findet man Wasser in der Region rund um den Dachstein in einer nahezu unerschöpflichen Formenvielfalt wieder.
Doch in Gestalt eines Wasserfalls ist das lebensschenkende Element vermutlich in seiner eindrucksvollsten Form unterwegs. Wobei der gesamte Themenweg „Wilde Wasser“ einen Besuch wert ist. Er feiert heuer sein 20-jähriges Jubiläum, was Bürgermeister Trinker besonders freut: „Die Wilden Wasser sind zum Aushängeschild geworden. Das Projekt vereint die schönsten Wege am Wasser im Untertal und im Obertal. Entlang dieser Wege zeigt sich die außerordentliche Schönheit unserer Natur. Der 14 km lange Weg präsentiert Wasser in allen Facetten – von ‚ruhig glitzernd‘ bis ‚tosend schäumend‘ – eine ungeheure Vielfalt unserer Natur. Die Auszeichnung zum ‚National-Geographic-Wanderweg‘ und die Ehrungen durch das Land Steiermark haben uns enorm motiviert. Der Weg fördert das Bewusstsein für das kostbare Gut Wasser und ist zugleich ein touristischer Leuchtturm.“ Trinker ist merklich beeindruckt von den Wilden Wassern: „Einen einzigen Lieblingsplatz zu nennen, fällt schwer. Besonders viel bedeutet mir die Talbachklamm. Sie ist gut erreichbar, hat immer eine besondere Atmosphäre. Ein richtig schönes Platzl ist der Zusammenfluss der beiden Bäche aus dem Obertal und Untertal oder das Bankerl oberhalb des Riesachsees.“ Am besten man macht sich selbst ein Bild, um einen persönlichen Lieblingsplatz zu finden
Zukunftsprojekt für Generationen
Die Stadtgemeinde und der Tourismusverband Schladming-Dachstein haben laut Trinker konkrete Verbesserungspläne entlang des Weges. Generell zielen die Maßnahmen darauf ab, dass die Menschen innehalten, sich hinsetzen, staunen und genießen. Oder dass sie sich informieren können über besonders schöne Schöpfungen der Natur und die Kulturlandschaft, die durch die Arbeit der Landwirte entstanden ist.
Gerhard Pilz, Mitarbeiter im Tourismusverband Schladming-Dachstein, verrät: „Es gibt aktuell Pläne, den Themenweg Wilde Wasser weiterzuentwickeln. Einerseits, um neue Teilabschnitte des Weges besser einzubeziehen, und andererseits, auch um neue Facetten des Wassers zu beleuchten. Auch der jahreszeitliche Wechsel soll stärker vorkommen und den Winter entlang des Themenweges besser präsentieren.“ Pilz versteht den aktuellen Trend rund um Coolcation gut. Seiner Meinung nach hatte Wasser immer schon einen besonderen Stellenwert: „Die Wichtigkeit wird heute aber viel bewusster wahrgenommen als noch vor 20 Jahren, wobei die Ursprünge des Projektes inzwischen sogar 30 Jahre zurückreichen. Ab 2003 wurden dann konkrete Planungen begonnen, und schließlich erfolgte vor 20 Jahren, am 29. Juni 2006, die offizielle Eröffnung. Mit dem enormen Weitblick der damals Beteiligten und der guten Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern wurde hier ein großartiger Wassererlebnisweg geschaffen. Der Zeithorizont zwischen Ersterkundungen und Eröffnung erinnert an den Spruch ‚Gut Ding braucht Weile‘ und zeigt zugleich, dass wohlvorbereitete Projekte eine lange Lebensdauer haben.“
Nun kann man angesichts des Klimawandels nur hoffen, dass noch viele Generationen etwas von dem Projekt haben. Hierzu meint Pilz, dass jeder einen Beitrag leisten kann: „Es fängt damit an, Gewässer nicht zu verunreinigen und Wasserschutzgebiete zu respektieren. Die Gewässer sollte man vor allem auch als Lebensraum für Tiere und Erholungsraum für den Menschen betrachten. Ebenso ist der sparsame Umgang mit dem Wasser wichtig, wenn es auch scheint, dass es in der Region Schladming-Dachstein fast unbegrenzt zur Verfügung steht. Gerade dieser Umstand verlangt einen noch größeren Respekt vor diesem kostbaren Gut.
Wasser ist Leben. Wir sind Leben. Wir gehören zusammen. Verhalten wir uns auch so.