Schwarm der Bienen
Für ihn schwärmen viele: Alexander Kirnbauer aus Aigen im Ennstal betreut am Hochhuberhof auf 900 m Seehöhe sechs Bienenstöcke. Er ist Mitglied des lokalen Bienenzuchtvereins, der sich für den Schutz und die Förderung der Honigbiene einsetzt. Im Interview erzählt er von seiner Begeisterung für die Imkerei, von der Arbeit mit den Bienen und warum Honig aus der Region so köstlich schmeckt.
Wie bist du zur Imkerei gekommen?
Bienen und vor allem die Honigproduktion haben mich schon immer fasziniert. Da es in meiner Familie keinen Imker gibt, musste ich mir das Wissen selbst aneignen. Ich bin also ein Quereinsteiger. Bei einem Imkerkurs für Anfänger ist mein Interesse dann noch weitergewachsen, und mit der Unterstützung eines guten Freundes konnte ich schon bald meine erste erfolgreiche Honigernte erzielen.
Erinnerst du dich noch an deinen ersten Bienenstock?
Ja natürlich! Meinen ersten Bienenstock habe ich von einem Kollegen aus dem Imkerverein übernommen. Die Vorfreude auf den ersten eigenen Honig war groß, gleichzeitig war es aber auch spannend – schließlich wusste ich noch nicht, ob alles so funktionieren würde, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Was war als Anfänger die größte Herausforderung?
Geduldig zu sein, denn die Arbeit mit Bienen braucht Zeit. Außerdem musste ich erst lernen, bei einem Volk mit rund 40.000 Bienen den Überblick zu behalten.
Was macht den Geschmack von Honig aus?
Der Standort der Bienenvölker und die Flora in ihrer Umgebung sind entscheidend für Nektarangebot und Zusammensetzung des Honigs. Unsere artenreichen Bergwiesen mit vielen Blumen und Kräutern sowie die umliegenden Wälder verleihen dem Honig seinen Geschmack. Auch äußere Einflüsse wie das Wetter spielen eine wichtige Rolle – deshalb gleicht kein Honig dem anderen.
Bienenzuchtvereine in der Region
Rund 50 engagierte Imker betreuen im Bienenzuchtverein Enns-Grimmingland etwa 400 Bienenvölker. Mit großem Verantwortungsbewusstsein widmen sie sich der Pflege und Zucht der heimischen Carnica-Biene und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz dieser unverzichtbaren Bestäuber. Die Imkerei ist in der Region Schladming-Dachstein stark vernetzt. Neben dem Bienenzuchtverein Enns-Grimmingland engagieren sich auch die Vereine im Mittleren Ennstal, in Öblarn, Haus im Ennstal, Weißenbach an der Enns und Schladming für Bienenzucht, Nachwuchsförderung und den Schutz der Honigbiene.
Wie stellt man sich die Arbeit am Bienenstock vor?
Etwa alle zehn Tage besuche ich meinen Bienenstand, um nach dem Rechten zu sehen. Zuerst kontrolliere ich das Flugloch und beobachte, ob es bei den Bienen Auffälligkeiten gibt. Dann öffne ich den Bienenstock und schaue mir an, wie der Nektareintrag läuft und wie gut die Honigvorräte gefüllt sind. Wichtig ist auch, zu schauen, ob die Königin im Stock ist, Eier legt und die Brut gut gepflegt wird. Außerdem halte ich nach sogenannten Weiselzellen Ausschau – sie zeigen an, ob das Volk in Schwarmstimmung ist. Zweimal im Sommer wird schließlich der Honig geerntet.
Kannst du einen kurzen Einblick geben, wie Honig entsteht?
Sammelbienen fliegen aus und nehmen den Nektar der Blüten auf. Zurück im Bienenstock übergeben sie ihn an die Stockbienen, die den Nektar in den Waben einlagern und mit wichtigen Enzymen anreichern. Nach Entwässerung ist der Honig reif und wird in den Waben mit Wachs verschlossen. Erst dann kann der Imker die Waben entnehmen. Durch das „Ausschleudern“ bleibt schließlich der reine Honig zurück.
Süßes Wissen über Honig
- Für 500 g Honig umrunden die Sammelbienen eines Volkes gemeinsam etwa dreimal die Erde. Eine einzelne Biene fliegt in ihrem Leben rund 800 Kilometer.
- Bienen sammeln Nektar meist in einem Umkreis von etwa 3 km rund um ihren Stock.
- Sommerbienen leben nur etwa 3 Wochen, während Winterbienen bis zu 6 Monate alt werden können. Die Bienenkönigin lebt sogar mehrere Jahre.
- Aufgrund seines niedrigen Wasser- und hohen Zuckergehalts kann Honig kristallisieren. Durch sanftes Erwärmen im Wasserbad wird er wieder flüssig.
- Hochwertiger Honig ist bei richtiger Lagerung nahezu unbegrenzt haltbar, da es sich um ein Lebensmittel handelt, muss ein Mindesthaltbarkeitsdatum dennoch angegeben werden.
- Bei der Honigproduktion fallen wertvolle Nebenprodukte wie Propolis, Bienenwachs und Blütenpollen an, die zu verschiedenen Naturprodukten weiterverarbeitet und veredelt werden.
- Waldhonig entsteht nicht aus dem Nektar von Blüten, sondern aus dem Honigtau – der Ausscheidung von Blattläusen auf den Bäumen.
- Cremehonig erhält durch schonendes, mehrtägiges Rühren seine feine, streichfähige Konsistenz.
Wie wichtig ist Fingerspitzengefühl im Umgang mit Bienen?
Wenn ich bei den Bienen bin, brauche ich vor allem Zeit und Ruhe. Die Tiere spüren sofort, wenn ich hektisch oder unkonzentriert bin – und das bekomme ich dann auch manchmal zu spüren. Umso wichtiger sind Geduld, Aufmerksamkeit und Freude an der Arbeit. Und genau die habe ich jedes Mal, wenn ich bei meinen Bienen bin. Bienen wollen aber auch nicht zu oft gestört werden, man muss sie also richtig „lesen“ können und dann einfach machen lassen.
Warum sollte man Honig aus der Region kaufen?
Unser Honig wird vor der Haustür geerntet und muss nicht über weite Strecken transportiert werden. Zudem unterliegt die Honigproduktion bei uns sehr strengen Qualitäts- und Hygienevorschriften. Gleichzeitig unterstützt man mit dem Kauf regionaler Produkte die Imker, die sich mit viel Engagement für Natur, Bienen und unsere Kulturlandschaft einsetzen.
Woran erkennt man hochwertigen Honig?
Von außen ist hochwertige Qualität nicht immer leicht zu erkennen. Leider hört man immer wieder, dass nicht überall echter Honig drin ist, wo Honig draufsteht. Bei uns Imkern aus der Region kann man sich sicher sein, ein reines Naturprodukt zu bekommen, und das schmeckt man auch. In der Steiermark gibt es – wie schon erwähnt – strenge Qualitätsprüfungen. Ein entsprechendes Qualitätssiegel auf dem Etikett zeigt, dass der Honig hohen Standards entspricht.
Wie genießt du deinen Honig am liebsten?
Am besten schmeckt mir mein Honig auf einem frisch gebackenen Bauernbrot mit Butter. Als Imker kann ich kaum beeinflussen, zu welcher Trachtpflanze die Biene fliegt. Und so ist es jedes Mal eine Überraschung und ein neues Geschmackserlebnis – das macht Honig so besonders für mich.