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Persönlichkeiten

Frauenpower & Faszination Bergrettung

Heimatverbundenheit. Die Liebe zu den Bergen. Und das Gefühl, Menschen in Not helfen zu wollen.

Das waren die größten Anreize für Regina Eisl und Sarah Prugger der Bergrettung Ramsau am Dachstein beizutreten. Eine staatlich anerkannte Bergretterin und eine Anwärterin erzählen über die Faszination Bergrettung und wie es ihnen als Frauen in der Männerdomäne geht.

Zwei Frauen in Sportkleidung mit Kletterausrüstung | © Lukas Eisl

Eine verletzte Person im Klettersteig Rosina,“ hört man es aus dem Funkgerät. Es rauscht. Und knackst. „Die Bergung kann ausschließlich terrestrisch erfolgen“. Die Einsatzkräfte der Bergrettung Ramsau am Dachstein wissen, was diese Vorgabe bedeutet: Eine schwierige Liegendbergung mittels Dyneemaseilbahn aus dem Klettersteig muss organisiert werden. Ein besonders anspruchsvolles Szenario an diesem herrlichen Sommertag, der mit blitzblauem Himmel viele Urlauber und Einheimische in die Berge lockt.

Häufig wird die eigene Kondition oder Erfahrung überschätzt“, erklärt Regina Eisl, während der Fahrt zum Einsatzort. Die staatlich anerkannte Bergretterin ist 2023 als Anwärterin zur Bergrettung Ramsau am Dachstein gekommen. Nach den erforderlichen Ausbildungskursen und der Abschlussprüfung ist sie seit September 2025 offizielles Mitglied und durfte in den letzten Jahren einiges an Erfahrung sammeln. In der Silberkarklamm angekommen herrscht reges Treiben. Die Bergrettungsmitglieder bereiten die Rettung zügig vor. Jeder Handgriff sitzt. Es herrscht höchste Konzentration. Man will der verletzten Person so schnell wie möglich helfen. Gleichzeitig vermittelt das Team Ruhe und Professionalität. Es wird schnell klar, was hier für ein perfektes Zusammenspiel höchste Priorität hat: „Die Kameradschaft und der Zusammenhalt in schwierigen Situationen“, erklärt Regina und fügt hinzu: „Gemeinsam Menschen zu helfen und sich dabei aufeinander verlassen zu können ist ein zentraler Teil der Arbeit. Zusätzlich lernt man in den Ausbildungen viele Dinge, die einen persönlich weiterbringen und im alpinen Gelände sicherer machen.

Sie war von Anfang an von dieser Gruppendynamik fasziniert. Doch wie ist die junge Frau überhaupt zur Bergrettung gekommen?

Regina: „Die Berge sind schon immer ein zentraler Teil meines Lebens, egal ob beim Klettern, Trailrunning, Skitourengehen oder Wandern. Durch meinen Schwiegervater, der rund 30 Jahre Obmann der Bergrettung Ramsau war, und durch meinen Mann, der selbst Mitglied ist, habe ich konkrete Einblicke in das Tätigkeitsfeld der Bergrettung bekommen. Zu sehen, welche Aufgaben, Verantwortung und Ausbildung damit verbunden sind, hat mein Interesse geweckt und mich motiviert, selbst zur Aufnahmeprüfung anzutreten.

Tätigkeitsfelder & öffentliche Aktivitäten

Die junge Frau beschreibt den allgemeinen Tätigkeitsbereich als besonders vielseitig: „Die Bergrettung ist für die Rettung und Bergung von Menschen im alpinen und unwegsamen Gelände zuständig. Dazu zählen Einsätze bei Unfällen, medizinischen Notfällen, Lawinenereignissen sowie Suchaktionen nach vermissten Personen. Sie arbeitet dabei eng mit anderen Einsatzorganisationen wie dem Roten Kreuz, der Alpinpolizei, der Flugrettung und der Feuerwehr zusammen. Ein wichtiger Teil der Tätigkeit sind außerdem regelmäßige Ausbildungen und Übungen, um für Einsätze bestmöglich vorbereitet zu sein, sowie präventive Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit im alpinen Raum.

Helikopterlandung in den Bergen | © René Eduard Perhab

Was man immer wieder vergisst, sind viele andere Aktivitäten wie zum Beispiel Kurse zur Sicherheit im Gebirge, Schulungen für Vereine oder Präventionsarbeit in der Öffentlichkeit. Wo wir bei einem wichtigen Thema sind: Gibt es laut der Bergrettungsfrau häufige Fehler in den Bergen?

Regina: „Im alpinen Bereich gibt es einige typische Fehler, die man leicht vermeiden kann. Besonders wichtig ist, sich vorab über die Route, das Wetter und die Verhältnisse zu informieren. Auch die richtige Ausrüstung darf nicht fehlen. Dazu gehören wetterfeste Kleidung, festes Schuhwerk und je nach Tour Lawinen- oder Sicherheitsausrüstung. Häufig werden auch schnelle Wetterumschwünge unterschätzt. Wer seine Fähigkeiten realistisch einschätzt, sich gut vorbereitet und Verantwortung für sich selbst übernimmt, kann den Berg sicher und entspannt genießen.

Männerdomäne & Klischees

Mittlerweile ist die gerettete Person von den Bergrettungsmitgliedern aus der Klamm transportiert worden und wird der Rettung übergeben, um ins nächste Krankenhaus geliefert zu werden. Regina klopft einer Bergrettungskollegin auf die Schulter und meint: „Gut gemacht!

Es ist Sarah Prugger, die seit Ende August als Anwärterin dabei ist. Die zwei Frauen machen sich auf den Weg retour ins Bergrettungshaus im Zentrum von Ramsau am Dachstein, um den Einsatz mit ihren Kollegen zu besprechen. Was sie verbindet, ist zum einen die Liebe zu den Bergen und zum anderen die Faszination an der Bergrettung.

Sarah: „Die technische Herausforderung bei den Übungen, das gute Gefühl, anderen in schwierigen Momenten beizustehen, und natürlich die Kameradschaft faszinieren mich. In einem Verein zu sein, der im Ernstfall den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmacht, erfüllt mich schon ein bisserl mit Stolz und gibt dem Ganzen irgendwie noch einen tieferen Sinn.

Die junge Frau hat schon als Kind ihren Opa und Vater als aktive Bergrettungsmitglieder bewundert. Doch Sarah sah den Verein lange Zeit als Männerdomäne: „Als ich dann gehört habe, dass die Regi Teil der Bergrettung wird, hat mich das irgendwie angespornt auch dazu zu gehen.

Die zwei Frauen lachen. Beide können bestätigen, dass sie mit offenen Armen in der Bergrettung Ramsau aufgenommen wurden und keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern gemacht werden. „Jeder wird wertgeschätzt und jedem wird zugetraut, dass er mit bestem Wissen und Gewissen handelt.

Rettungseinsatz in den Bergen

Selbsteinschätzung & Vorbereitung

Der heutige Einsatz ist gut ausgegangen. Doch wie gehen die Frauen mit schweren Unfällen um?

Regina: „Schwere Unfälle sind immer eine besondere Herausforderung. In solchen Situationen hilft es sehr, sich mit den Kamerad:innen auszutauschen und offen über das Erlebte zu sprechen.“ Damit es erst gar nicht zu einem Drama kommt, legen Regina und Sarah allen, die in den Bergen unterwegs sind, ans Herz, sich gut vorzubereiten, eine sorgfältige Routenplanung zu machen und Infos rund um Wetter, Gelände sowie mögliche Gefahren einzuholen. Daneben gehört eine gesunde Selbsteinschätzung sowie ein konsequenter Partnercheck bei Klettertouren dazu. Außerdem ist ihnen der respektvolle Umgang mit der Natur sehr wichtig. Denn die Berge geben so viel und deshalb sollte man sie achtsam erleben und es vermeiden, Spuren oder gar Schaden zu hinterlassen.

Wenn man sich mit den zwei weiblichen Bergfexen so unterhält, merkt man schnell, dass hier ganz viel Liebe zur Bergwelt im Spiel ist. Sarah: „Mit der Bergrettung verbinde ich Vertrauen, Gemeinschaft, Hilfsbereitschaft, Teamspirit, Sicherheit und Spaß. Ich kann jeder bergaffinen Frau nur wärmstens empfehlen beizutreten. Denn wenn man sowieso gerne in den Bergen unterwegs ist, gibt es eigentlich nichts Schöneres als das Gefühl, Menschen in Not helfen zu können. Traut euch einfach!

Dabei geht es nicht darum, alles von Anfang an perfekt zu können. Man lernt im Laufe der Zeit viel im Rahmen der umfangreichen Ausbildung. Und laut Regina ist der Weg zur staatlich anerkannten Bergretterin machbar, wenn man sich im alpinen Gelände bewegen kann und ein allgemeines Interesse an der Materie besteht:

Regina: „Im Sommer- und Winterkurs hatte ich super Ausbildner, die uns die Kursinhalte von medizinischen Grundlagen bis hin zu Sicherungstechniken sehr praxisnah beigebracht haben. Für die Prüfung musste ich die Inhalte dann eigenständig üben, damit alles wirklich sitzt. Wer am Ball bleibt und regelmäßig übt, wird merken, dass die Prüfung dann gut zu schaffen ist. Wichtig ist auch, danach weiter dranzubleiben, damit die Techniken im Notfall sicher angewendet werden können. Dazu gibt es regelmäßig Übungen in der Ortsstelle.

Beruhigende Worte für Sarah, die mitten in der Ausbildung steckt, doch bestimmt nach insgesamt rund zwei Jahren positiv abschließen wird.

© René Eduard Perhab

Nun interessiert es vielleicht viele, was die zwei heimatverbundenen Frauen machen, wenn sie nicht gerade in den Bergen unterwegs sind oder Menschenleben retten.

Sarah und Regina: „Am liebsten irgendwo draußen in der Natur oder mit Familie und Freunden Zeit verbringen.

In diesem Sinne wünschen die zwei Frauen sowie alle Mitglieder der Bergrettung Ramsau am Dachstein einen wunderschönen Sommer in der Bergwelt rund um den Dachstein sowie eine sichere und unfallfreie Zeit bei uns in der Region!

Logo Schladming-Dachstein | © TVB Schladming-Dachstein
Autor

Schladming Dachstein