Das Bergkirchlein in Donnersbachwald

Auf einer Anhöhe über dem Talboden, von einer Mauer umgeben, steht die kleine Kirche. Sie wurde in den Jahren 1753/54 erbaut und ist dem hl. St. Leonhard und St. Patrizius geweiht.

Es dauerte lange, bis unser kleines Bergdorf ein eigenes Gotteshaus erhielt. Bis dahin mußten die Donnersbachwalder zum sonntäglichen Gottesdienst den langen und mühsamen Weg nach Irdning auf sich nehmen. Erst im 18. Jhdt. faßten der Bischof von Seckau und der Abt von Admont den Bau einer eigenen Kirche für das Donnersbachtal ins Auge. In die Tat umgesetzt wurde er auf das Betreiben der Kaiserin Maria Theresia, die unsere Gegend offenbar persönlich kennen- und lieben gelernt hatte. 1754 wurde die Kirche konsekriert (geweiht). Schon 10 Jahre später erhielt Donnersbachwald dann auch eine eigene Vikarstelle.

Die wesentlichen Elemente ihres Entstehungsjahrzehnts hat unser Kirchlein bis auf den heutigen Tag erhalten. Das ist zunächst ihre

Baustruktur

Kirchenschiff wie Altarraum besitzen je zwei Joche; das   Kirchenschiff wird von einer Tonne, der Altarraum ("Chor") von einer böhmischen Kappe überwölbt. Die Fenster könnten vielleicht schon damals ihre (für eine Kirche ungewöhnliche) Viereckform erhalten haben.

Hochaltarbild

Die Bildmitte nimmt Maria ein, in mehr gelockerter als festlicher Haltung sitzt sie auf einer Wolkenbank; an sie gelehnt das segnende Jesuskind.

Ihnen zu Füßen zwei Heilige, links ein Bischof, rechts ein Abt.
Der Bischof verkörpert den heiligen Patrizius,

der Abt den heiligen Leonhard; beide wollen offenbar, neben Maria, als die Kirchenpatrone aufgefaßt sein.

Aber während das Patronat des Bauernheiligen und Viehpatrons Leonhard nicht verwundert, befremdet die Wahl des heiligen Patrizius;


handelt es sich doch um den bei uns kaum bekannten heiligen Patrick, der im 5. Jahrhundert Irland missioniert und seitdem als Patron der grünen Insel verehrt wird.

Möglicherweise repräsentieren die beiden Heiligen jene zwei geistlichen Instanzen, die damals zur Errichtung unseres Kirchleins beitrugen.

Patrizius im Bischofsornat den Bischof von Seckau, und der Benediktinerabt Leonhard die Abtei Admont ?

Der so selbstbewußt aus dem Bild herausschauende Leonhard mit seinem edel geschnittenen Gesicht scheint ohnehin das Porträt eines damaligen geistlichen Würdenträgers zu sein.

Mit dem so selbstbewußt aus dem Bild herausblickenden Leonhard hat sich, gewollt oder ungewollt, der Maler selbst verraten; es ist kein geringerer als der ROKOKO - Maler

Johann-Josef-Karl HENRICI (1737-1823)

der sich, aus Schlesien gebürtig, nach langer Wanderschaft 1757 endgültig in Bozen niederließ und in Südtirol herrliche Tafelbilder und Fresken schuf.

Unser Altargemälde, das einzige Henrici-Bild in der Steiermark, ist ein bis zur kurzem völlig unbekanntes, aber in jeder Hinsicht typisches Werk dieses großen Meisters.

Gnadenbild
" Maria vom Guten Rat "

Vermutlich ist Ihnen diese Darstellung unseres Seitenaltars schon anderswo begegnet; aber lassen Sie sich erzählen, welch spannende Geschichte sich um das Gnadenbild rankt!

Versetzen wir uns in das italienische Städtchen Genazzano, südlich von Rom. Hier stand im 15. Jhdt. ein allmählich verfallendes Kirchlein der Augustiner, das der Gottesmutter "vom Guten Rat" geweiht war. Gern hätte man es durch einen Neubau ersetzt, aber schon bald mußten die Arbeiten wegen Geldmangels eingestellt werden.

1467: ein Bild aus Albanien wird zum Gnadenbild. (Siehe Bilderliste rechte Seite)

Eines Tages senkte sich eine Wolke auf das halbferti¬ge Bauwerk, die Glocken begannen von selber zu läuten, und als die Wolke wieder verschwand, kam an der rohen Mauer das Bild der Gottesmutter zum Vorschein. Zwei Fremde aus Albanien fanden sich alsbald ein und berichteten, das Bild habe sich zuvor in ihrer Hei¬matstadt Skutari von der Wand einer (von den Türken bedrohten) Kirche gelöst, und gleichzeitig sei an sie die Weisung ergangen, dem Weg des Bildes nachzuwandern.

Jetzt konnte der Kirchenbau von Genazzano fortgesetzt und rasch vollendet werden; die Augustiner übertrugen den Namen ihrer alten Kirche auf das Marienbild und nannten es "Maria vom Guten Rat"; 1682 wurde es gekrönt, es bekam einen eigenen Festtag (26. April), und überall, wo seine Kopie aufgestellt wurde, entstanden Wallfahrtszentren und bildeten sich Bruderschaften; im 18. Jhdt. war es das aktuellste marianische Gnadenbild überhaupt

Warum nach Donnersbachwald ?
Viele Faktoren machen es verständlich, daß eine (angeblich von einer italienischen Prinzessin gestiftete) Kopie dieses Gnaden¬bildes 1766 auch im Neubau unseres Kirchleins Eingang fand: Den 1753, also wenige Jahre zuvor, war die dem Bild gewidmete Bruderschaft offiziell vom Papst bestätigt worden: 1758 erschien die deutsche Übersetzung eines eigenen Andachtsbüchleins zu seinen Ehren; man beging gerade die Zweihundert¬jahrfeier des Wunders von Genazzano, vielerorts läßt sich in diesen Jahrzehnten die Entstehung einer Sekundarwallfahrt zu Ehren der "Mutter vom Guten Rat" beobachten.
Auch bei uns löste die Aufstellung des Gnadenbildes eine be¬achtliche Wallfahrtsbewegung aus; eine Bruderschaft entstand, von Erhörungen und Wunderheilungen wurde berichtet.
Inzwischen ist es wieder still geworden um unser Gnadenbild. Die Kunsthistoriker sehen in dem Urbild von Genazzano ein (am unteren Bildrand wohl zugeschnittenes) Werk der umbrischen Schule des 14. Jahrhunderts, das sich stark an einen Ikonentyp der Ostkirche anlehnt.
Die dritte Kostbarkeit, die wohl ebenfalls der Erstausstat¬tung unserer Kirche zuzurechnen ist;

Die Muttergottes-Statue

Auch sie verdient eine be¬sondere Würdigung. Wenn Ihnen die Darstellungsweisen Mariens in der christlichen Kunst vertraut sind, werden Sie, mit Blick auf den Statuensockel, Weltkugel, Schlange und Apfel, diese Maria als eine IMMACULATA einstufen wollen, zumal sie auch ohne Kind dargestellt ist. Aber das Besondere un¬serer Figur liegt gerade darin, daß sie, was sie "unten" ver¬spricht, "oben" nicht hält! Denn nicht eine IMMACULATA wächst da empor, sondern eine DOLO¬ROSA, eine Schmerzensmut¬ter also, die - wäre nicht als Einzel¬figur gedacht - gut unter dem Kreuz ihres Sohnes stehen könnte! Beachten Sie das Kopftuch, das sie als verwitwete Gattin ausweist, das Tränen¬tüchlein, das sie immer nur als Schmerzens¬mutter in den Händen hält, vor allem aber den Schmerz selber, der Körperhaltung und Gesichtsausdruck bestimmt !

Dieses scheinbare Gegeneinander von IMMACULATA und DOLOROSA, wohl kaum einem Mißverständnis des Schnitzers zuzuschreiben, wird zu einem sinnigen und spannungsreichen Zueinander, wenn Sie mitbedenken, in welch innigen Kausalzusammenhang das Christentum die Faktoren Leid und Schuld sieht: " .... durch die Sünde kam der Tod ... ". Maria aber, obwohl IMMACULATA, also ohne Schuld (Bildsockel!), trägt als DOLOROSA das Leid der Welt mit, als sie hilflos dem Opfertod ihres - ja ebenfalls unschuldig leidenden Sohnes zusehen muß...

Auch wenn Sie nicht gewillt sind, diese mehr religiöse Dimension unserer Maria nachzuvollziehen, werden Sie dem ausdrucksvollen Bewegungsfluß dieser Figur die Bewunderung nicht versagen können.
Schließlich sei noch auf den letzten Bestandteil der Erstausstattung von 1760 eingegangen, auf die

vier Konsolfiguren

an den Chorwänden unserer Kirche.

Im Vergleich zu unserer DOLOROSA mögen sie sich etwas steif ausnehmen, aber die Auswahl der Heiligen wirft doch einiges Licht auf die Sorgfalt, mit der man damals unser bescheidenes Kirchlein zu schmücken bestrebt war. Die zwei rechten Figuren repräsentieren sozusagen das Kirchenvolk von Donnersbachwald, wie es damals zusammengesetzt war: besitzende Bauern und Dienstboten durch die Tirolerin Notburga.
Als ihr Gegenüber hat man zwei Heilige gewählt, die sich als hohe Vertreter des Priesterstandes besonders um die Seelsorge verdient gemacht haben: Karl Borromäus (1538-1584), Erzbischof von Mailand, und Franz von Sales (1567-1662), Bischof von Genf - zwei Männer als, die einander zeitlich fast abgelöst haben.
So stehen sich auf den Konsolen unserer Kirche nicht von ungefähr die "Priester" und das "Volk" gegenüber, wie sie ja auch im Gottesdienst zusammenwirken.

Die Brandkatastrophe von 1852

Unser Kirchlein würde sich wohl noch schöner und kostbarer vorstellen, wenn es nicht im Jahr 1852 einem Brand zum Opfer gefallen wäre, der offenbar vor allem die barocken Altaraufbauten vernichtete.
So mußte man das gerettete Hochaltarbild und das Gnadenbild in neue Aufbauten einfügen. Man hat sich sichtlich um die Einpassung in den Barockstil bemüht.
Auch das Orgelgehäuse stammt erst aus dieser Zeit.

Das ist also unser Bergkirchlein mit seinen kleinen Kostbarkeiten. Gebaut ist es freilich nicht, um sich bewundern zu lassen, sondern damit wir uns in ihm jeden Sonntag zum Gottesdienst versammeln.

SIE werden eingeladen, daran teilzunehmen; dann erst erleben Sie, wie sich das Kirchlein mit Leben erfüllt- und Sie sind ein Teil davon.....

Gottesdienste, siehe Aushang -  Kirche,
bzw. Vereinspavillion (Parkplatz Ortsmitte)






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